Fachdidaktik des Ethikunterrichts

Fachdidaktik des Ethikunterrichts 2019-02-25T18:19:09+00:00

Gegen die vielerorts selbstverständliche Pädagogisierung der Didaktik widersetzt sich eine Fachdidaktik der Ethik (und der Philosophie) der allgemein- und fachwissenschaftlichen Ausdünnung von Studiengängen und Fachdidaktiken. Die allgemeine Didaktik nicht weniger als die Ethik-Fachdidaktik müssen jeweils reinstalliert werden als Wissenschaft vom Lehren – vom Lehren nämlich kognitiver Gehalte. Eine derartige Didaktik-Wissenschaft ist daher nicht identisch mit der Pädagogik als der Wissenschaft vom Kind. Die Inhalte jener können mithin nicht auf die Inhalte dieser zurückgeführt, können nicht durch sie definiert werden.

Fachdidaktik (gleich welcher Unterrichtsgegenstände) zu betreiben ist identisch damit, Möglichkeiten anzuzeigen, dass und wie eine Wissenschaftsdisziplin mit dem korrespondierenden Unterrichtsgegenstand vermittelbar ist. Spezifische (Wissens-)Inhalte und Methoden der Fachwissenschaften müssen in die Unterrichtspraxis umformuliert, nämlich transformiert werden. Eine Fachdidaktik des Ethikunterrichts hat daher in der allgemeinen Philosophie nach didaktisch transformierbaren Inhalten und Methoden zu suchen. Fachdidaktisch zu arbeiten bedeutet, in den Fachwissenschaften (hier: in der Philosophie und Ethik) nach Inhalten zu suchen, die zu didaktischen Potentialen transformiert werden können – und bedeutet, didaktische Potentiale so agieren zu lassen, dass diese Inhalte im konkreten Fachunterricht (hier: im konkreten Ethikunterricht) realisiert werden.

Die Fachdidaktik des Ethikunterrichts sowie die Theorie didaktischer Transformation ist eine explizit philosophische Theorie, eine Unterdisziplin der Philosophie. Besagte Vermittlungsarbeit ist dem wissenschaftlichen Philosophieren als solchem prinzipiell und in jedem seiner Angänge gegenständlich. Daher gehört sie zum selbstverständlichen (und auch geschichtlich manifestierten) Repertoire der Philosophie: Wissenschaftliches Philosophieren entspringt ursprünglich (nicht nur, aber) immer auch einem nicht-philosophischen Moment, und zwar einem vor- bzw. außerphilosophischen (exoterischen) Bedürfnis nach Orientierung.

Zur Vermittlung anheimgestellt ist der Philosophie damit die Spannung von philosophischer Fachwissenschaftlichkeit und außerphilosophischem Orientierungsbedürfnis. Dem Orientierungsbedürfnis wird jedoch nicht nur durch die Philosophie, sondern auch durch philosophie-exoterische Instanzen entsprochen. Dieses geschieht durch Ausbildung und Verteidigung orientierungsgebender Weltbilder. Daher darf die wissenschaftliche, die also esoterische Philosophie dem (exoterischen) Orientierungsbedürfnis nicht nur philosophisch ausgewiesene (esoterische) Orientierungsgrößen anbieten. Vielmehr muss sie diese philosophisch-esoterischen Orientierungsgrößen immer auch vermitteln können mit vor- oder nichtphilosophischen (exoterischen) Orientierungsgrößen. Und selbstverständlich übt die philosophisch betriebene Orientierungsarbeit einen Rechtfertigungsdruck auf exoterischen Weltbilder und Orientierungsgrößen aus. Sie bewahrt sie vor dem Absturz in (religiös oder anderweitig betriebene) Ideologien und Totalitarismen.

Die Fachdidaktik des Ethikunterrichts folgt keiner Selbstentmachtung hin zu einem bloß a-philosophischen Tun, sie ist aber auch (ii) keine bloße Funktion systematischen und historisch tradierten akademischen Philosophierens. Sie (iii) reduziert zudem nicht, in entgegengesetzte Richtung, die akademische Lehre der Philosophie auf eine bloße Funktion dialogisch gefassten Unterrichtens. Vielmehr ist die Fachdidaktik (iv) zwar eine philosophische Disziplin, jedoch eine von den anderen philosophischen Disziplinen unterschiedene (und dabei natürlich wissenschaftliche) Disziplin. Weder (iv a) reduziert ihr Tun die philosophisch-wissenschaftlichen Gehalte zu etwaigen kind- oder jugendgemäßen, zu gar populären Elementargrößen, noch (iv b) bildet didaktische Transformation besagte Gehalte lediglich ab, so als handelte es sich bei der Philosophie um die Summe (elementarisierbarer) Kenn- und Definitionsgrößen, die dann im Unterricht vermittelt werden könnten. Vielmehr muss die didaktische Transformation (iv c) als Methode eines didaktischen Diskurses installiert werden, dem der konkret-reale Unterricht mit seinen konkret-realen Schülern/innen – also mit den Erfahrungen, Empfindungen, Fragen, Hoffnungen und Problemen junger Individuen – der Kontext ist, in dem und von dem aus die diversen Gehalte, sprachlichen Ausdrücke und Argumente der philosophischen Tradition überhaupt erst die Dringlichkeit und (situativ-kontextuelle) Angemessenheit ihrer Thematisierung erhalten.

Konstanzer Erklärung zum Ethikunterricht

Allgemeine Gesellschaft für Philosophie in Deutschland e.V.; Fachverbände Philosophie und Ethik e.V. [J. Mittelstraß, J. Rohbeck; F. Witzleben, C. Brüggemann)] (1999)

Die Philosophie ist eine systematische Wissenschaft. Auch wenn sie im Lauf ihrer über zweitausendjährigen Geschichte fortlaufend Themen und Probleme an immer neu entstehende Einzeldisziplinen abgegeben hat, so hat sie in ihrer wissenschaftlichen Substanz dabei nichts verloren. Ihre systematischen Orientierungen durchdringen die Einzelwissenschaften. Sie versuchen ihnen Grund und Zusammenhang zu geben. Sie bemühen sich darüber hinaus, die praktischen Aufgaben des Wissens zu bestimmen. Das Mehr des Wissens macht die ‚Liebe zur Weisheit‘ heute so aktuell wie zu Zeiten des Sokrates.

In ihrer langen Geschichte hat die Philosophie einen unermesslichen Fundus an theoretischem und praktischem Wissen angesammelt. Deshalb tut sie gut daran, sich ihrer großen Tradition immer wieder zu vergewissern. Sie ist somit immer auch eine historische und das Historische reflektierende Disziplin.

Das philosophische Wissen besteht keineswegs nur in Beiträgen zur Fundierung der einzelnen Wissenschaften, auch nicht nur in den Beständen der Ethik, der Politischen Philosophie oder der seit Platon betriebenen Ästhetik. Die Philosophie ist bereits in ihrer Art zu fragen, zu argumentieren, zu kritisieren sowie ihrer unvergleichlichen Art, Wissen und Kunst zu vermitteln, eine der ältesten Kulturwissenschaften der Menschheit. Sie kann uns in vielem belehren, was in den stets krisenhaften Erscheinungen einer Gegenwart Halt und Hilfe geben kann.

Neben den Sprachen, der Geschichte, der Kunst und den Religionen ist die Philosophie ein Bildungsträger ersten Ranges. Sie ist an keine nationalen Grenzen gebunden, umgreift Geistes-, Gesellschafts- und Naturwissenschaften, zieht notwendig Momente der Praxis ein und ist, durch ihren systematischen Anspruch, niemals bloß auf historische Bestände festgelegt. Da sich die Philosophie als ein interdisziplinäres Projekt versteht, vermag sie in besonderer Weise integrierendes Denken zu fördern und reflexive Kompetenzen zu vermitteln.

Umso bedauerlicher ist es, dass die Philosophie an vielen Schulen ein Schattendasein führt. Während zum Beispiel in Frankreich und Italien die Philosophie traditionell zum Fächerkanon des Gymnasiums gehört, besteht für den deutschen Philosophieunterricht vergleichsweise Nachholbedarf. Mit einem bundesweiten Schulfach Philosophie würde sich Deutschland dem bildungspolitischen Standard anderer Staaten der Europäischen Union annähern.

Dabei sind die Besonderheiten in den einzelnen Bundesländern wie auch die Entwicklungen der jüngsten Zeit zu berücksichtigen. Gegenwärtig werden Konzeptionen erarbeitet, in denen die Philosophie eine immer größere Rolle spielt. Die Schulversuche ‚Praktische Philosophie‘ in Nordrhein-Westfalen und ‚Ethik/Philosophie‘ in Berlin weisen in diese Richtung. Das Land Baden-Württemberg erweitert den Philosophieunterricht und plant einen Studiengang ‚Philosophie/Ethik‘, in Mecklenburg-Vorpommern wird schon seit vier Jahren das Fach ‚Philosophieren mit Kindern‘ erprobt. So lassen sich drei Modelle unterscheiden: 1. der philosophisch orientierte Ethikunterricht, 2. das eigene integrierte Schulfach Ethik/Philosophie und 3. der Philosophieunterricht in der gymnasialen Oberstufe.

Die Allgemeine Gesellschaft für Philosophie in Deutschland begrüßt diese Tendenz einer stärkeren Akzentuierung der Philosophie im Bildungswesen. Sie tritt dafür ein, dass die Philosophie im Ethikunterricht die leitende Bezugswissenschaft bildet, und unterstützt die Erprobung einer Integration von Ethik und Philosophie. Insbesondere plädiert sie dafür, in allen Bundesländern ein zusätzliches Wahl-/Wahlpflichtfach Philosophie der Sekundarstufe II einzurichten.

Die Forderung nach einem philosophisch orientierten Ethikunterricht und nach einem Unterrichtsfach Philosophie hat auch Konsequenzen für die Lehrerausbildung. Diese Ausbildung sollte in einem integrativen Studium Ethik und Philosophie bestehen, zu dem auch eine institutionalisierte Fachdidaktik gehört. In denjenigen Bundesländern, in denen die Fächer Philosophie und Ethik selbständige Studiengänge bilden, ist es wünschenswert, diese Studiengänge aufeinander abzustimmen. Nach dem Staatsexamen in diesen Fächern sollte es den Absolventen möglich sein, die Lehrbefähigung im jeweils anderen Fach durch ein Erweiterungsstudium und eine entsprechende Zusatzprüfung zu erwerben. Derartige Studienabschlüsse sollen in allen Bundesländern anerkannt werden.

Nicht zuletzt soll die Weiterbildung in den Fächern Philosophie und Ethik in einem Ergänzungsstudium an einer Hochschule mit einem akademischen Examen bestehen. Selbst diese Regelung hat gegenüber dem regulären Studium lediglich Übergangscharakter. Deshalb ist dafür Sorge zu tragen, dass wenigstens ein Teil der Direktstudenten nach dem Studienabschluss in den Schuldienst eingestellt wird. Auch für Philosophielehrerinnen und -lehrer ist der sogenannte Einstellungskorridor zu öffnen. Ferner sollen die Lehrangebote in der Fortbildung vermehrt und differenziert werden.

Bonner Erklärung zum Ethikunterricht

Deutsche Gesellschaft für Philosophie [W. Hogrebe, F. Witzleben, J. Rohbeck, P. Kriesel] (2002)

Schule und Bildung stehen seit einigen Jahren auf dem Prüfstand. Für die Bundesrepublik Deutschland waren die Ergebnisse der PISA-Studie bestürzend. Beim Textverständnis, beim naturwissenschaftlichen Denken und mathematischen Problemlösen belegten die deutschen Schüler gerade einmal den 22. Platz unter 33 einbezogenen Staaten. Im Bereich der Lesekompetenz betreffen die Defizite vor allem das Erfassen von Informationen aus alltäglichen und literarischen Texten, das Begreifen sinnvoller Zusammenhänge sowie die Einordnung von Textinformationen in einen größeren Wissenskontext. Grundsätzlich mangelt es an der Fähigkeit, ein Verständnis von Texten selbstständig zu erarbeiten und in reflektierter Form darzustellen. Hinzu kommen Defizite in der lebenspraktischen Kompetenz, Probleme und Konflikte zu lösen.

Der Unterricht in den Fächern Philosophie und Ethik ist ein ausgezeichneter Ort, an dem Schülerinnen und Schüler die weitgehend vermissten Kompetenzen erwerben können. Denn philosophisches Denken vermittelt ein Orientierungswissen, das sich auf übergreifende Zusammenhänge des persönlichen Lebens, eigener und fremder Kulturen wie auch der Welt im Ganzen bezieht. Philosophie und Ethik können dazu beitragen, ein orientierendes Weltwissen integrativ zu vermitteln. Die dabei erworbenen Fähigkeiten sind nicht nur fachspezifisch, sondern lassen sich auf andere Disziplinen und Lebenssituationen übertragen. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Kompetenzen:

Textkompetenz
Philosophische Texte gelten als besonders schwer zu verstehen. Gleichzeitig sind sie so dicht und komplex, dass sie es wert sind, sich mit ihnen intensiv auseinander zu setzen. Auf exemplarische Weise üben die Schüler, Wortbedeutungen zu erkennen, Sinneinheiten zu bestimmen und gedankliche Zusammenhänge herzustellen. Bei der Produktion eigener Texte lernen sie, selbstständig Gedanken argumentativ zu entfalten, zu verallgemeinern und sprachlich angemessen zu formulieren. Auch außerhalb der Philosophie wird diese Kompetenz in vielen Berufsfeldern zunehmend geschätzt.

Soziale Kompetenz
Seit den Anfängen der Philosophie bildet der Dialog ein wesentliches Merkmal lebendigen Philosophierens. Im Unterricht lernen die Schüler, nicht bloße Meinungen, sondern rational begründete Argumente auszutauschen. In Rede und Gegenrede werden intellektuelle Schärfe und Kritikfähigkeit geschult. Zugleich erzieht dieser Dialog zu einer sittlichen Haltung, die auch in anderen Lebensbereichen gefordert ist: zum gutwilligen Zuhören, zum Tolerieren anderer Standpunkte wie auch zur kritischen Distanz gegenüber der eigenen Position. In einem lebensweltlich und handlungsorientierten Philosophie- und Ethikunterricht wird diese Toleranz praktisch erfahren.

Interkulturelle Kompetenz
Die Philosophie ist die älteste Kulturwissenschaft. Ihre Aufgabe bestand immer schon darin, fremde und eigene Kulturen zu verstehen. So hat sie den Integrationsprozess verschiedener Kulturen in Europa reflexiv begleitet. Heute kommt es darauf an, diese Bemühung um wechselseitige Verständigung über Europa hinaus fortzuführen. Im Philosophie- und Ethikunterricht lernen die Schüler, kulturelle Phänomene zu interpretieren, indem sie deren grundlegende Deutungsmuster und religiöse Weltbilder reflektieren. In den meisten Schulklassen wird der interkulturelle Austauschprozess bereits erfahren und praktiziert. Das fördert das Verständnis fremder Kulturen und nicht zuletzt auch der eigenen Kultur.

Urteilskompetenz
Wenn vom Ethikunterricht zu Recht gefordert wird, zur moralischen Erziehung der Kinder und Jugendlichen beizutragen, so ist zu ergänzen, dass dies nur auf der Grundlage eigener Urteilsfähigkeit möglich ist. Das bedeutet auch mündige Teilhabe am öffentlichen Diskurs über Fragen der Lebensführung und über die Verantwortung der Wissenschaften. Im Philosophie- und Ethikunterricht können sich die Schüler methodisches Wissen aneignen, mit dessen Hilfe ethische Probleme lösbar oder zumindest klarer erkennbar sind. Eine solche Urteilskompetenz dient sowohl der Persönlichkeitsentwicklung als auch der politischen Kultur in diesem Land.

Orientierungskompetenz
Durch die neuen Informations- und Kommunikationstechniken ist die paradoxe Situation entstanden, dass einerseits neues Wissen exponentiell zunimmt und dass gleichzeitig tradiertes Wissen entsprechend schnell veraltet. Dadurch gerät auch schulisches Wissen in eine Krise. Die neue Aufgabe besteht darin, sich technisch übermittelte Informationen als persönliches Wissen anzueignen. Um Wissen gemessen an eigenen Zielvorstellungen bewerten zu können, bedarf es einer übergreifenden Orientierung. Eine solche kulturelle Synthese heißt traditionell Bildung und ist heute mehr denn je gefragt. Die Philosophie ist ein Bildungsfach, das in erster Linie diese allgemeine Orientierungskompetenz vermittelt.

Interdisziplinäre Methodenkompetenz
Angesichts der veränderten Situation unserer technischen Zivilisation fordern Bildungsforscher eine neue Lernkultur. Sie besteht darin, das Lernen selbst erlernbar zu machen, indem das Lernen methodisch reflektiert wird. Methodisches Lernen soll dazu befähigen, mit dem erworbenen Wissen flexibel und selbstständig umzugehen. Gerade die Philosophie vermittelt diese interdisziplinäre Methodenkompetenz. Die philosophisch reflektierten Methoden der Analyse, Konstruktion, Kritik, Interpretation oder Beschreibung lassen sich auch im Unterricht vermitteln, damit sie von Schülern in anderen Wissensbereichen angewendet werden können.

Um diese Kompetenzen im Philosophie- und Ethikunterricht vermitteln zu können, bedarf es bestimmter institutioneller Voraussetzungen in den einzelnen Bundesländern. Zu begrüßen sind die neuen Schulversuche in diesen Fächern und die stärkere Profilierung der Philosophie in einem interdisziplinären Diskurs. Folglich sollten die abgeschlossenen Schulversuche möglichst zügig zu eigenständigen Fächern führen. Das erfordert eine breite und gründliche Ausbildung der entsprechenden Lehrerinnen und Lehrer mit praxisbezogenen Studiengängen in Philosophie und Ethik. Die Weiterbildung soll nur an Universitäten und Hochschulen stattfinden. Den grundständigen Lehramtsstudiengängen ist jedoch der Vorrang einzuräumen, wozu auch eine Stärkung der Fachdidaktik Philosophie und Ethik gehört. Für Philosophie- und Ethiklehrer ist ein Einstellungskorridor offen zu halten. Der Philosophie- und Ethikunterricht sollte dem Religionsunterricht in allen Bundesländern gleichgestellt werden.

Münsteraner Erklärung zum Ethikunterricht

Nida-Rümelin, B. Rolf, J. Rohbeck, P. Kriesel (2010)

Verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen haben in den letzten Jahren zu Ansätzen geführt, Schule neu zu denken und das Bildungswesen zu reformieren. Ziel ist vor allem die Entwicklung von Bildungsstandards und Kompetenzmodellen, welche die Qualität der schulischen Arbeit erhöhen sollen. Dabei geht es um Dispositionen, die Personen zur Bewältigung konkreter Anforderungen befähigen und die auch empirisch überprüfbar sind.

Derartige praktische Kompetenzen bedürfen jedoch der Ergänzung und Fundierung durch zusätzliche Fähigkeiten, die auf Bildung und Reflexion zielen. Angesichts der zunehmenden Pluralisierung der Lebensformen, der rapiden Zunahme des Wissens und technischen Könnens sowie der prinzipiellen Offenheit der Zukunft, auf die Erziehung vorbereiten soll, sind darüber hinaus solche Kompetenzen von Bedeutung, die es dem Individuum ermöglichen, Urteilsfähigkeit und Orientierungsvermögen zu gewinnen, konsistente und kritisch reflektierte Werthaltungen zu entwickeln und dadurch die eigene Persönlichkeit auszubilden. Vor dem Hintergrund einer ausführlichen Diskussion über Inhalte und Methoden philosophisch-ethischer Bildung werden diese Kompetenzen durch den Philosophie- und Ethikunterricht in hervorragender Weise gefördert. Damit kommt diesen Unterrichtsfächern im Bildungssystem eine besondere Bedeutung zu.

Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe (2008) führen dazu, die Wahl- und Anrechnungsmöglichkeiten der Fächer Philosophie und Ethik in die Abiturprüfung zu verbessern. Zu begrüßen ist die Einrichtung des Pflichtfaches Ethik in Berlin, das einen gemeinsamen Unterricht mit Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Weltanschauungen ermöglicht. Umso bedauerlicher ist es, dass die Fächer Ethik, Werte und Normen wie auch Philosophie in einigen Bundesländern immer noch Einschränkungen unterworfen und mit Problemen konfrontiert sind, die diesen Unterricht häufig an den Rand drücken. Besonders problematisch ist für diese Fächer der Status eines so genannten Ersatzfaches, der immer noch von einigen Kultusbehörden vertreten wird, obwohl dagegen seit zwölf Jahren ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vorliegt.

Um diese unbefriedigende Situation zu beheben, fordern die Vertreter der unterzeichnenden Verbände, dass die Fächer Philosophie und Ethik als Alternativ- oder Pflichtfächer gleichberechtigt mit allen anderen Fächern eingerichtet werden. Das trifft für zehn Bundesländer zu, in denen Schülerinnen und Schüler, die nicht am Religionsunterricht der Primarstufe teilnehmen, kein Angebot in Ethik oder ‚Philosophieren mit Kindern‘ vorfinden. In diesem Zusammenhang ist der so genannte Ressourcenvorbehalt abzuschaffen; vielmehr soll der Philosophie- und Ethikunterricht auch dann angeboten werden, wenn kein Religionsunterricht stattfindet.

In der Sekundarstufe II werden in allen Bundesländern entweder Ethik, Werte und Normen oder Philosophie angeboten. Im Sinne des Bundesverwaltungsgerichtsurteils von 1998 sind auch diese Fächer als Wahl- oder Wahlpflichtfächer mit allen anderen Unterrichtfächern umgehend gleichzustellen. Das gilt auch für die Abschlussprüfungen in den einzelnen Schularten und Schulstufen. Wie alle übrigen Fächer sollen sie in der Abiturprüfung gewählt werden können. Dies sollte auch in solchen Bundesländern möglich sein, in denen eines dieser Fächer in der Gymnasialen Oberstufe bisher nicht angeboten wird.

Für die Ausbildung qualifizierter Lehrerinnen und Lehrer im Fach Philosophie sind Studiengänge erforderlich, die den hohen wissenschaftlichen und fachdidaktischen Ansprüchen genügen. Die Verabredungen von Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für das Lehramtsstudium Philosophie (2008) gehen in die richtige Richtung und sind an den Universitäten und Hochschulen aller Bundesländer zügig zu realisieren. Da die zweite Phase der Lehrerausbildung zeitlich gekürzt wird, kommt der fachdidaktischen und praxisorientierten Ausbildung besondere Bedeutung zu. Dabei sind die Praktika so zu gestalten, dass die Studierenden hinreichende Erfahrungen sammeln und lernen, ihren Unterricht zu reflektieren.

Auch für die Ausbildung von Fachlehrkräften in den Fächern Ethik, Werte und Normen und Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde (LER) bedarf es der Vereinbarung länder­gemeinsamer Kernanforderungen und der Freiheit zu länderspezifischen Schwerpunkten. In Bundesländern mit diesen Fächern sind entsprechende Studiengänge einzurichten, die den Bezug zur Philosophie bzw. Ethik sowie zur Religionswissenschaft und zu den Sozialwissenschaften und nicht zuletzt zu den Fachdidaktiken herstellen. Dabei ist darauf zu achten, dass Philosophie bzw. Ethik als gleichberechtigtes Fach ohne jede Einschränkung gewählt werden kann; dazu gehört die freie Kombinierbarkeit mit anderen Studiengängen.

In diesen Studiengängen soll die grundständige Ausbildung die Regel sein. Nur in Ausnahmefällen sind Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen zuzulassen, um fehlende Fachlehrkräfte kurzfristig zu ersetzen. Die Qualität des Unterrichts in Philosophie und Ethik kann nur durch den Einsatz voll ausgebildeter Absolventen der Studiengänge Philosophie und Ethik gewährleistet werden.