Europa und die Pilatus-Frage. Zur Perversion einvernehmlichen Tötens

Europa und die Pilatus-Frage. Zur Perversion einvernehmlichen Tötens

Ich höre (I): Libyen droht mit militärischem Einsatz gegen Flüchtlings-Rettungsschiffe von Nichtregierungsorganisationen (zB ‚Ärzte ohne Grenzen‘), sobald sie die libysche Landesküste anfahren sollten (um Menschen aus dem Meer zur retten). Was der libyschen Regierung als küstennahes Gewässer gilt, teilt sie nicht mit – unklar bleibt, wie weit dies- oder jenseits des libyschen Hoheitsgebiets. Wohl aber teilt sie mit, dass diese Drohung militärisch-marinen Einsatzes „für Nichtregierungsorganisationen (gelte), die vorgeblich illegale Einwanderer retten und humanitäre Aktionen durchführen wollen“. So ein Sprecher der libyschen Marine.

Mir ist klar (I): „Wenn sich diese Ankündigungen bestätigen und die Anweisungen in die Tat umgesetzt werden, kann das aus unserer Sicht zwei gravierende Folgen haben – es wird mehr Tote im Mittelmeer geben und mehr Menschen, die in Libyen gefangen sind“.

Ich höre (II): ‚Ärzte ohne Grenzen‘ stellt vorerst die Rettung von Seenot-Flüchtlingen aus dem Mittelmeer-Hoheitsgebiet Libyens ein.

Mir ist klar (II): EU-Europas Politiker Land-auf-Land-ab setzen die Regierungen der mittelmeer-anrainer-flüchtlingsrouten-start-staaten seit Jahr-und-Tag unter Druck – ganz offen und ungeniert und unter Androhung allfälliger Sanktionen –, Maßnahmen gegen das Ablegen von Flüchtlingsbooten zu ergreifen.

Wohlgemerkt (I): Sanktionsandrohungen gegen Länder, deren Not schon (so oder so) groß genug und nicht nur hausgemacht ist, sondern im Kalkül eu-westlicher Wohlstandsökonomie hingenommen, weil erforderlich ist, den Kampf um die eigene Wohlstandsbevorteilung zu gewinnen.

Wohlgemerkt (II): Sanktionsdrohungen gegen Länder, die ausgeliefert sind jenem wohlstandsökonomischen Kalkül, das sie am Tropf hängen lässt der gönnerhaft verteilten und nie ausreichenden – weil stets und ständig gekürzten – EU-Entwicklungshilfegelder.

Flüchtlinge, Meer, Mensch, See, Wasser

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Wohlgemerkt (III): Sanktionsdrohungen gegen Länder, die in jeder Hinsicht abhängig (gemacht) sind und abhängig (gehalten) sein werden von EU-Europa. So jene mittelmeer-anrainer-flüchtlingsrouten-start-staaten, so die flüchtlings-herkunfts-staaten der Vor-Hunger-Und-Not-Und-Krieg-Fliehenden.

Mir ist klar (III – denn hier sind aller bösen Dinge wirklich drei[st]): EU-Europas Politiker Land-auf-Land-ab bezichtigen die Nichtregierungsorganisationen (zB ‚Ärzte ohne Grenzen‘), sich mit ihren Rettungseinsätzen vor der Küste Libyens als Helfershelfer der Schlepper zu betätigen.

Ich weiß: In Wahlstimmzettelabgebezeiten versprechen flüchtlingsgeleerte Straßen und Grenzübergänge stimmungsvolle Vorteile.

Ich urteile: Es ist dies ein einvernehmliches Töten in einvernehmlichem Auftrag und folgsamem Tatendrang, politiker-anonym. Lumpen und Halunken diese, die ihre-hände-in-unschuld-waschenden. So wie einst Pilatus.

  1. Nur dass dieser wenigstens noch eine Frage stellte demjenigen, den einvernehmlich zu töten er dann freigab, im Gleichklang stumpf-stupiden Tatendrangs.
  2. Nur dass viele derer, die dem einstigen Pilatus heutig nacheifern, in des Himmels Glanz zu sein sich wähnen – zu stehen sich wähnen in christenheitlicher Tradition jenes christentumlichen Menschen, der da einst von Pilatus gefragt und dann seines Überlebens beraubt wurde.

Einvernehmliches Töten, damals wie heute, verlogene Existenzen allzumal.

Von | 2017-08-13T12:46:36+00:00 13. August 2017|Kategorien: Ethik, Politik|Tags: , , , |0 Kommentare

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