Fridays for Future? Fridays for school!

Fridays for Future? Fridays for school!

Liebe Schüler*innen!

Ihr geht in die Öffentlichkeit. Ihr seid die Öffentlichkeit. Der öffentliche Raum lebt also noch. Wie gut!!

Ihr erhebt eure Stimmen, bewegt eure Füße, zeigt eure kalten Schultern und eure lebendigen Herzen. Wie gut!!

Der öffentliche Raum lebt (also doch noch). Wie gut!!

Im öffentlichen Raum werden Argumente formuliert, werden Argumente geprüft und gegebenenfalls verworfen.

Im nicht-öffentlichen Raum hingegen werden Argumente finanziert und gekauft, verhandelt und verschoben, vorgetäuscht und verlogen. Daher die Vorliebe so mancher, den nicht-öffentlichen Raum als Schaltzentreale der Demokratie auszugeben, also die Demokratie auszuhebeln: Die Vorliebe der Besitzstandswahrung, die Vorliebe des Kapitals und die Vorliebe der recht-tumpfen Lämmlinge von Besitz und Kapital (die den Arm heben, ‚Kapital-Heil‘ schreien und nicht vergessen, ihre Parteikasse zu öffnen).

Demokratie wird nicht geschaltet und nicht verschaltet, sondern gelebt: Im öffentlichen Raum.

Ursprungsakt der Demokratie ist nicht die Abstimmung, sondern die vernünftige Argumentation im Interesse des Gemeinwohls.

Gemeinwohl ist nicht Kapitalwohl, nicht Finanz(wirtschafts)wohl.

Gemeinwohl ist Kooperation, nicht egomanische Vorteilsmaximierung gegen die, die keine Chance haben noch je hatten: Nicht gegen die, die schon immer hier lebten und leben. Nicht gegen die, die von dort kommen. Nicht gegen die, die (noch) dort leben.

Gemeinwohl ist nicht die Lüge, im Weg des Kapitals alles erreichen und alle Menschen den Wohlstand genießen lassen zu können: Gemeinwohl ist nicht die neo-liberal-dumme Wachstumsideologie, die Reichen reicher zu machen und als deren Konsumprodukt – das dann also ein Abfallprodukt ist – auch die anderen leben zu lassen und zu den Reichen von morgen machen zu können. Wie viele Abgehängt-Versklavte müssen noch sichtbar werden, dass endlich das tödliche Spiel der Besitz-Reichen durchschaut wird? Das tödliche Spiel der Reichen und das tödliche Spiel der reichen Nationen.

Das einzige, was ständig wachsen kann, ist der Krebs. Aber auch der stirbt am Ende. Und mit ihm der Patient. Also du und ich. Also alle. Gewiss aber die Reichen und die reichen Nationen als letztes. Die Davor-Letzten beißen andere Hunde.

Gemeinwohl arbeitet nicht in die eigene (Brief-)Tasche. Und auch nicht, wenn man Österreich liebt. Die eigene Brieftasche ist nämlich nicht Österreich, weder auf Ibiza noch bei den Volksgenossen Kurz&Kickl&Hofer: Vox populi!

Der öffentliche Raum sagt: Nein! Wir wollen das nicht!

Ihr sagt: Nein! Wir wollen das nicht!

Ihr streikt. Ihr demonstriert nicht nur. Ihr besetzt und gestaltet den öffentlichen Raum. Was ist euer Einsatz, euer Druckmittel (denn ihr streikt). Euer Druckmittel ist eure Schulbildung.

Oder auch: Wenn die Schule Teil des öffentlichen Raumes wäre, bräuchtet ihr eure Schulbildung nicht zu riskieren, um den öffentlichen Raum zu gestalten, um Verantwortung zu übernehmen für eure Zukunft und die Zukunft eurer Kinder und die Zukunft der Menschen überall auf der Welt.

Riskiert ihr eure Schulbildung? Ihr transformiert sie.

Ihr erhebt eure Stimmen, bewegt eure Füße, zeigt eure kalten Schultern und eure lebendigen Herzen. Weil den Schulen abhandengekommen ist das Bewusstsein ihrer Pflicht, den öffentlichen Raum zu gestalten. Weil der Schulbildung die Bildung abhanden gekommen ist. Es ist weder die Pflicht der Schule noch deren Recht, dem Reichtum der Wenigen und der Versklavung der Vielen zu dienen, also den Schaltzentralen der Öffentlichkeit Lämmlinge und andere Schafe zuzuführen. Wir brauchen keine Herde (derer, die den Arm heben und Heil-was-auch-immer schreien).

Oder auch: Solange und insofern Schule im Dienst jener steht, die den öffentlichen Raum aushebeln, werdet ihr streiken müssen (ganz gewiss, aber sicherlich nicht nur für ein Klima, in dem die Welt sein und die Menschen leben können).

Fridays for future!

Fridays for School!

Von | 2019-09-26T09:21:29+00:00 26. September 2019|Kategorien: Ethik, Politik, Schule und Bildung|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. norbert joachim 26. September 2019 um 11:30 Uhr- Antworten

    wenn doch so auch jemand in der Kirche aufstehen würde. es wäre Zeit !

Hinterlassen Sie einen Kommentar